Die Mapuche sind das größte Indigene Volk Chiles und leben auch im benachbarten Argentinien. Ihr Name bedeutet „Menschen der Erde“ und spiegelt ihre tiefe Verbundenheit zur Natur wider, die ihre Lebensgrundlage und ein zentraler Bestandteil ihrer kulturellen und spirituellen Identität ist. „Schätzungen zufolge leben in Chile zwischen 700.000 und 1,7 Millionen Mapuche. Sie machen damit bis zu 10 Prozent der Bevölkerung aus. Die große Spannbreite der Zahlen erklärt sich auch durch historische Stigmatisierung. Viele Menschen änderten ihren Namen oder verleugneten ihre kulturelle Zugehörigkeit, um Diskriminierung zu entgehen.
Sprache der Mapuche
Die Mapuche sind in mehrere Gruppen unterteilt, die in unterschiedlichen Regionen beheimatet sind. Sie werden in die drei Hauptgruppen der Picunche („Volk des Nordens“), der Pehuenche („Volk des zentral-südlichen Teils Chiles“) und der Huilliche („Volk des Südens“) gegliedert. Ihre Sprache ist das Mapudungun, das nur noch von 10 bis 15 Prozent der Mapuche gesprochen wird.
Historisch lebten die Mapuche in weiten Teilen des heutigen Zentral- und Südchile, wie Orts- und Flussnamen indigener Herkunft bis heute bezeeugen. Mit der spanischen Kolonialisierung wurde ihr Siedlungsgebiet zunehmend eingeschränkt. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwangen Verfolgung, Vertreibung, Enteignung und die Suche nach Arbeit zudem viele in die Städte. Heute leben die Mapuche überwiegend in Gemeinden in der Region Araucanía im Süden des Landes und in Städten, allen voran der Hauptstadt Santiago de Chile. Die anhaltende soziale Benachteiligung führt dazu, dass die Mapuche bis heute zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen des Landes gehören.
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Geschichte von Widerstand und Landverlust
Über Jahrhunderte verteidigten die Mapuche erfolgreich ihre Autonomie – erst gegen das Inka-Reich, dann gegen die spanischen Kolonialtruppen. 1641 erkannte die spanische Krone im Vertrag von Killin die territoriale Selbstverwaltung der Mapuche südlich des Flusses Bío-Bío an. Dieser Vertrag gilt als ein bedeutender historischer Beleg für ihre politische und territoriale Eigenständigkeit. Auch in der frühen chilenischen Republik gab es Ansätze symbolischer Anerkennung: Frühe Staatssymbole griffen indigene Darstellungen auf und politische Akteure wie Bernardo O’Higgins, Unabhängigkeitskämpfer und erstes chilenisches Staatsoberhaupt, bezeichneten die Mapuche als eigenständige Gemeinschaft. Diese Anerkennung blieb jedoch weitgehend symbolisch und setzte sich in der Staatspraxis nicht dauerhaft fort.

Im späten 19. Jhd. unterwarf der chilenische Staat die Mapuche militärisch. Während der „Pacificación de la Araucanía“ (Befriedung der Region Araucanía) besetzte das Militär gewaltsam große Teile des Wallmapu, wie die Mapuche selbst ihr Territorium nennen. Zehntausende Mapuche wurden getötet oder vertrieben. Ihr Land ging in staatliche oder private Hände über. Es folgte eine gezielte staatliche Kolonialisierung des Gebiets durch chilenische und europäische Siedler, unter ihnen auch Deutsche. Diese Siedlungspolitik prägte die Region nachhaltig und vertiefte die Enteignung und Marginalisierung der Mapuche. Diese Politik der Verdrängung setzte sich im 20. Jahrhundert fort und verschärfte sich während der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet (1973–1990). Große Flächen des traditionellen Territoriums der Mapuche wurden privatisiert und für Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Infrastrukturprojekte freigegeben. Viele Mapuche-Gemeinschaften wurden in kleine ländliche Reservate – sogenannte Comunidades – zurückgedrängt.

Konflikte um Land und Selbstbestimmung der Mapuche
Bis heute sind ungelöste Landrechtsfragen ein zentraler Konfliktpunkt zwischen dem chilenischen Staat und den Mapuche. Zahlreiche Gemeinschaften fordern die Rückgabe ihrer Territorien oder zumindest Mitspracherechte bei deren Nutzung sowie die Anerkennung ihrer kulturellen und politischen Selbstbestimmung.
Viele Gemeinden setzen sich gegen die Abholzung ihrer Wälder, gegen die Verunreinigung des Wassers und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage zur Wehr. Besonders umstritten sind große Forstplantagen aus Kiefern und Eukalyptus, Staudämme, Bergbau- und Infrastrukturprojekte. Die chilenische Regierung stuft Proteste wie beispielsweise Straßenblockaden oder Landbesetzungen als „terroristische Bedrohung“ ein. Grundlage ist ein Anti-Terror-Gesetz aus der Zeit der Militärdiktatur. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren, dass dieses Gesetz gegen indigene Aktivist*innen eingesetzt wird und damit legitime Landrechtsforderungen kriminalisiert, die auch in der vom chilenischen Staat ratifizierten ILO169 abgesichert sind.
Menschenrechtsverletzungen gegen Mapuche-Gemeinschaften
Die Region Araucanía in Südchile ist seit Jahren stark militarisiert. Polizei- und Militäreinsätze gegen Mapuche-Gemeinschaften sind regelmäßig Gegenstand internationaler Kritik. Berichte dokumentieren Polizeigewalt, willkürliche Hausdurchsuchungen und Drohungen gegen Aktivist*innen. In mehreren Fällen kamen Menschen bei Polizeieinsätzen ums Leben.

Zugleich bleiben strukturelle Probleme bestehen: Trotz internationaler Verpflichtungen und einzelner Reformen fehlt in Chile bis heute eine umfassende verfassungsrechtliche Anerkennung der Mapuche als Indigenes Volk mit kollektiven Rechten.
Der Konflikt zwischen dem chilenischen Staat und den Mapuche spiegelt grundlegende Fragen über Land, Entwicklung und politische Teilhabe wider. Viele Mapuche-Gemeinschaften fordern nicht nur die Rückgabe ihrer Territorien, sondern auch die Anerkennung ihrer kulturellen und politischen Selbstbestimmung.
Solange Landrechte ungeklärt bleiben und wirtschaftliche Interessen über indigene Ansprüche gestellt werden, dürfte der Konflikt weiter bestehen. Für viele Mapuche ist der Kampf um ihr Land zugleich ein Kampf um kulturelles Überleben und um die Möglichkeit, ihre Lebensweise im Einklang mit der Natur fortzuführen.
Stand: März 2026
Autor: Jan Königshausen
Redaktion: Sarah Neumeyer
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Jan Königshausen
Referent für Indigene Völker
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