Zum Inhalt springen

Nuba Berge

Blauer Pfeil

Die Nuba-Berge liegen im Süden des Sudan, an der Grenze zum Südsudan. Sie bilden eine schwer zugängliche, gebirgige Region innerhalb des Bundesstaates Süd-Kordofan und sind eine der kulturell und sprachlich vielfältigsten Regionen Afrikas. Die Region ist Heimat für mehr als 50 ethnisch vielfältige Gemeinschaften mit insgesamt 3,7 Millionen Angehörigen, die gemeinsam als Nuba bezeichnet werden. Die Nuba sind überwiegend Bäuer*innen und Viehzüchter*innen, die traditionell Landwirtschaft für ihren eigenen Bedarf betreiben. Ihre Identität als Schwarze Bevölkerungsgruppe unterscheidet sie von der arabisch dominierten Mehrheit des Sudan und hat sie über Jahrhunderte hinweg Diskriminierung, Versklavung und Landenteignung ausgesetzt.

Krieg gegen die Nuba im Sudan

Seit den 1980er Jahren sind die Nuba-Berge Schauplatz wiederholter Gewalt. Während des zweiten sudanesischen Bürgerkriegs (1983–2005) wurden die Nuba zwischen die Fronten des Konflikts zwischen dem muslimischen Norden und dem christlich geprägten Süden gezogen. Mit dem Machtantritt von Omar al-Baschir 1989 intensivierte sich dieser Krieg, und die Gewalt richtete sich in dem von al-Baschir als “Heiliger Krieg” bezeichneten Kampf besonders gegen die Nuba. Der Krieg war durch Luftangriffe, Vertreibungen und systematische Unterdrückung geprägt. Die Nuba-Berge waren nicht Teil des Abkommens, das zur Unabhängigkeit des Südsudans führte. Die Nuba-Berge werden von der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung-Nord (SPLM-N) kontrolliert, seit Jahren greift die sudanesische Armee hier aber immer wieder an. 

Zufluchtsort und Krisenregion seit Kriegsbeginn 2023

Mit dem Sturz al-Baschirs 2019 keimte kurzzeitig Hoffnung auf Frieden auf, doch der seit April 2023 tobende Krieg im Sudan hat die Region erneut in eine tiefe Krise gestürzt. Hunderttausende Menschen flohen in die Nuba-Berge, die unter der Kontrolle der SPLM-N stehen und zu einem der wenigen relativ sicheren Zufluchtsorte im Land wurden. Dennoch bleibt die humanitäre Lage dramatisch: Es fehlt an Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und Infrastruktur. Die Region ist weitgehend isoliert. Es gibt kaum Strom, das Telefonnetz funktioniert oft nicht, es gibt nur zwei größere Krankenhäuser für über zwei Millionen Menschen, einschließlich der Geflüchteten.

Ohne starke Verbündete ist unsere Arbeit nicht möglich!

Ihre Spende sorgt dafür, dass wir Betroffene vor Ort stärken, Missstände dokumentieren und politischen Druck aufbauen können – konsequent, unabhängig und solidarisch.

Jeder Euro zählt – jeder Euro schützt.

Spenden Sie jetzt für die GfbV

Einen Intervall auswählen
Spendenbetrag
Spendenbetrag

Hunger, Angriffe, Isolation: Vergessene Not der Zivilbevölkerung

Die Zivilbevölkerung leidet enorm unter den Folgen des Krieges, insbesondere Frauen und Kinder. Ernten werden zerstört, Saatgut geplündert, und viele Menschen können ihre Felder nicht bestellen. Beide Kriegsparteien setzen Hunger gezielt als Waffe gegen die Zivilbevölkerung ein, und die Zahl der unterernährten Kinder steigt dramatisch. Die Nuba-Berge sind zudem Ziel von Bombenangriffen: Die SPLM-N kontrolliert zwar weite Teile der Region, doch die sudanesische Armee hat die Lufthoheit und bombardiert das Gebiet. Dabei werden auch zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser getroffen.

Viele Nuba-Frauen tragen die Hauptlast der Versorgung, sammeln Nahrung und Wasser und kümmern sich um Kinder und Alte. Traditionelle Rollenbilder und die Abwesenheit vieler Männer, die als Kämpfer oder auf der Flucht sind, verschärfen die Situation. Gleichzeitig sind es oft Frauen, die durch lokale Initiativen – wie Nähkurse oder Bildungsprojekte – versuchen, die Gemeinschaft zusammenzuhalten und Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.

Vergessene Krise: Fehlende internationale Aufmerksamkeit

Die Nuba-Berge sind eine der am stärksten vernachlässigten Krisenregionen der Welt. Internationale Hilfsorganisationen haben nur eingeschränkten Zugang, und die internationale Gemeinschaft schenkt der Region nicht die Aufmerksamkeit, die es bräuchte, um hier humanitär zu helfen und nach politischen Lösungen zu suchen. Die Region ist reich an Rohstoffen wie Gold, doch der Konflikt um Ressourcen und politische Macht verhindert eine nachhaltige Entwicklung. Ohne eine politische Lösung und internationale Unterstützung droht die humanitäre Katastrophe weiter zu eskalieren.

Stand: Mai 2026

Autorin: Sarah Reinke
Redaktion: Sarah Neumeyer

Wofür wir uns einsetzen

Minderheiten & Indigene Völker stärken:
Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.

Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen:
Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.

Völkermord verhindern & Menschen schützen:
Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.

Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!

Ihre Ansprechpartnerin

Sarah Reinke

Sarah Reinke

Geschäftsführerin Menschenrechtsreferate

E-Mail: s.reinke@gfbv.de 

Telefon: +49 551 49906 13

Aktuelles zum Thema

Hintergründe

Keine Ergebnisse

Publikationen zum Thema

Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ahnden – Der Internationale Strafgerichtshof
Der IStGH hat seinen Sitz in Den Haag. Er ermittelt in seinen Vertragsstaaten oder gegen Täter aus diesen Ländern, wenn deren nationale Justiz gegen mutmaßliche Verbrecher nicht tätig wird. Bild: OSeveno via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ahnden – Der Internationale Strafgerichtshof

Zwanzig Jahre nach der Annahme des Römischen Statuts steht der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) mehr denn je zuvor in der Kritik.

# Infomaterial# Menschenrechtsreport

Mehr

Nordsyrien: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Türkei gegen Afrin
Grün stellt die türkische Armee dar, Rot Assads Truppen und Gelb kurdische Kämpfergruppen. Vor dem Beginn der Operation Olivenzweig im Januar 2018 befand sich Afrin im gelben Einflussbereich. Bild: MrPenguin20 via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Nordsyrien: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Türkei gegen Afrin

Am 20. Januar 2018 leitete die türkische Armee die „Operation Olivenzweig“ gegen die syrisch-kurdische Region Afrin ein. Dieser Angriff in dem seit 2011 laufenden Bürgerkrieg bedeutete neues Leid, besonders für die Zivilbevölkerung.

# Infomaterial# Menschenrechtsreport

Mehr

Memorandum: Aleviten in der Türkei ringen um Anerkennung
Im Alevitentum kann jeder Mensch frei bestimmen, wie er seinen Glauben ausübt. So ergeben sich individuelle Interpretationen und Betonungen der Religionslehre. Foto: Miriam Stanke

Memorandum: Aleviten in der Türkei ringen um Anerkennung

Bis heute wird das Alevitentum in der Türkei nicht als Glaubensgemeinschaft anerkannt, sondern vom Präsidium für Religionsangelegenheiten (DIYANET) als anatolische Variante des Islam eingestuft. Als nichtsunnitische Gemeinschaft werden die Aleviten deshalb diskriminiert, unterdrückt und verfolgt.

# Infomaterial# Reporte/Memoranden

Mehr

Zum Thema aus unserer Zeitschrift

335: Gemeinschaften unter Druck: Landschaften und Lebenswelten

335: Gemeinschaften unter Druck: Landschaften und Lebenswelten

Zur Ausgabe

334: Kunst, Kultur, Kreativität: Minderheiten in Bild, Wort und Klang

334: Kunst, Kultur, Kreativität: Minderheiten in Bild, Wort und Klang

Zur Ausgabe