Zum Inhalt springen

Ovaherero

Blauer Pfeil

Die Ovaherero sind eine indigene ethnische Volksgruppe im Süden Afrikas. Sie leben überwiegend in Namibia, es gibt jedoch auch Gemeinschaften in Botswana, Südafrika und Angola. Sie zählen zu den Bantu-Völkern, die etwa 400 Ethnien im zentralen, östlichen und südlichen Afrika umfassen und verwandte Sprachen sprechen. Die Ovaherero sprechen Otjiherero. Traditionell waren sie Viehzüchter*innen und siedelten hauptsächlich in den zentralen und östlichen Regionen Namibias.

Während der deutschen Kolonialzeit von 1884 bis 1915 verübten Truppen des Kaiserreichs den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts an den Ovaherero und den ebenfalls indigenen Nama. Bis heute übernimmt Deutschland keine Verantwortung für dieses Verbrechen. 

Ovaherero: Widerstand gegen die deutsche Kolonialmacht

Ab 1884 kam es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Deutschen und den Ovaherero, Nama sowie den indigenen ethnischen Gemeinschaften Damara und San. Im Januar 1904 versuchten sich die Ovaherero gegen die Diskriminierung, Missionierung, Unterdrückung und Ausbeutung zu wehren und begannen, Farmen deutscher Siedler*innen zu plündern. Daraufhin beschloss die deutsche Kolonialmacht, die Ovaherero vollständig zurückzudrängen. 

Ohne starke Verbündete ist unsere Arbeit nicht möglich!

Ihre Spende sorgt dafür, dass wir Betroffene vor Ort stärken, Missstände dokumentieren und politischen Druck aufbauen können – konsequent, unabhängig und solidarisch.

Jeder Euro zählt – jeder Euro schützt.

Spenden Sie jetzt für die GfbV

Einen Intervall auswählen
Spendenbetrag
Spendenbetrag

Waterberg-Schlacht und Flucht in die Wüste

Zwischen Juni und August 1904 ließ der deutsche Generalleutnant Lothar von Trotha die Ovaherero am Waterberg-Plateau umzingeln, 250 Kilometer nördlich von Windhoek. Dort fand am 11. und 12. August die entscheidende Schlacht statt. Die Herero-Kämpfer waren den Kolonialtruppen unterlegen und flohen in die Omaheke-Wüste. Die deutsche Kolonialarmee verfolgte die Fliehenden, schnitt ihnen den Zugang zu Wasserstellen ab oder vergiftete diese. Während dieses Exodus in Richtung des heutigen Botswana verdursteten Tausende Ovaherero.

Vernichtungsbefehl gegen die Ovaherero

Am 2. Oktober 1904 erließ von Trotha den Vernichtungsbefehl gegen die Ovaherero. Die deutschen Truppen zerstörten gezielt ihre Lebensgrundlagen und inhaftierten die Überlebenden in Konzentrationslagern, wo viele unter unmenschlichen Bedingungen an Hunger, Krankheiten und Misshandlungen starben. Schätzungen zufolge kamen durch den Völkermord etwa 80.000 Ovaherero ums Leben, was etwa 80 Prozent ihrer Bevölkerung entsprach.

Folgen des Völkermords an den Ovaherero heute

Bis heute leben die Nachfahren der Ovaherero oft in prekären Verhältnissen. Obwohl die Nachkommen der einstigen Kolonisatoren weniger als zehn Prozent der namibischen Bevölkerung ausmachen, besitzen sie rund zwei Drittel des Farmlandes.

Deutschland umgeht Verantwortung für Völkermordverbrechen

Die deutsche Bundesregierung hat den Völkermord bis heute nicht juristisch anerkannt. Die Regierungen Deutschlands und Namibias haben sich auf ein  Versöhnungsabkommen geeinigt, das bislang noch nicht verabschiedet wurde. Darin wird lediglich von einem Genozid aus heutiger Sicht gesprochen. Deutschland umgeht damit eine rechtliche Verantwortung sowie bindende Reparationszahlungen. Darüber hinaus wird das Abkommen von den offiziellen Vertreter*innen der Nama und Ovaherero nicht anerkannt, da sie nicht in die Verhandlungen einbezogen wurden. Dies verstößt gegen internationale Standards im Umgang mit Völkermord.

Stand: Mai 2026

Autor*innen: Laura Mahler
Redaktion: Sarah Neumeyer

Wofür wir uns einsetzen

Minderheiten & Indigene Völker stärken:
Wir setzen uns weltweit für bedrohte Gemeinschaften ein – für Selbstbestimmung, Schutz und Teilhabe.

Menschenrechtsverletzungen sichtbar machen:
Wir dokumentieren Unrecht, benennen es klar und bringen es in Öffentlichkeit, Politik und Medien. Sichtbarkeit schafft Schutz.

Völkermord verhindern & Menschen schützen:
Wir erkennen Risiken frühzeitig, warnen vor Eskalationen und setzen uns entschlossen für den Schutz der Zivilbevölkerung ein. Gewalt beenden, für Gerechtigkeit und Versöhnung.

Menschenrechte für alle durchsetzen: Wir sind solidarisch mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und stärken sie. Wir arbeiten für eine Politik ohne Doppelmoral, die Menschenrechte für alle garantiert. Solidarität und klare Haltung für Menschenrechte weltweit!

Ihre Ansprechpartnerin

Laura Mahler

Laura Mahler

Referentin für Subsahara-Afrika

E-Mail: l.mahler@gfbv.de 

Telefon: 03051 / 695825-3

Aktuelles zum Thema

Hintergründe

Keine Ergebnisse

Publikationen zum Thema

Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ahnden – Der Internationale Strafgerichtshof
Der IStGH hat seinen Sitz in Den Haag. Er ermittelt in seinen Vertragsstaaten oder gegen Täter aus diesen Ländern, wenn deren nationale Justiz gegen mutmaßliche Verbrecher nicht tätig wird. Bild: OSeveno via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ahnden – Der Internationale Strafgerichtshof

Zwanzig Jahre nach der Annahme des Römischen Statuts steht der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) mehr denn je zuvor in der Kritik.

# Infomaterial# Menschenrechtsreport

Mehr

Nordsyrien: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Türkei gegen Afrin
Grün stellt die türkische Armee dar, Rot Assads Truppen und Gelb kurdische Kämpfergruppen. Vor dem Beginn der Operation Olivenzweig im Januar 2018 befand sich Afrin im gelben Einflussbereich. Bild: MrPenguin20 via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Nordsyrien: Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg der Türkei gegen Afrin

Am 20. Januar 2018 leitete die türkische Armee die „Operation Olivenzweig“ gegen die syrisch-kurdische Region Afrin ein. Dieser Angriff in dem seit 2011 laufenden Bürgerkrieg bedeutete neues Leid, besonders für die Zivilbevölkerung.

# Infomaterial# Menschenrechtsreport

Mehr

Memorandum: Aleviten in der Türkei ringen um Anerkennung
Im Alevitentum kann jeder Mensch frei bestimmen, wie er seinen Glauben ausübt. So ergeben sich individuelle Interpretationen und Betonungen der Religionslehre. Foto: Miriam Stanke

Memorandum: Aleviten in der Türkei ringen um Anerkennung

Bis heute wird das Alevitentum in der Türkei nicht als Glaubensgemeinschaft anerkannt, sondern vom Präsidium für Religionsangelegenheiten (DIYANET) als anatolische Variante des Islam eingestuft. Als nichtsunnitische Gemeinschaft werden die Aleviten deshalb diskriminiert, unterdrückt und verfolgt.

# Infomaterial# Reporte/Memoranden

Mehr

Zum Thema aus unserer Zeitschrift

335: Gemeinschaften unter Druck: Landschaften und Lebenswelten

335: Gemeinschaften unter Druck: Landschaften und Lebenswelten

Zur Ausgabe

334: Kunst, Kultur, Kreativität: Minderheiten in Bild, Wort und Klang

334: Kunst, Kultur, Kreativität: Minderheiten in Bild, Wort und Klang

Zur Ausgabe