Die Ismailit*innen sind eine religiöse Minderheit innerhalb des schiitischen Islams. Ihr Glaube geht auf eine besondere Auslegung der schiitischen Tradition zurück und unterscheidet sich in theologischen Fragen von anderen schiitischen und sunnitischen Strömungen. Ismailit*innen verstehen sich selbst als offene und tolerante Muslim*innen, die großen Wert auf Bildung, religiöse Vielfalt und gesellschaftliche Entwicklung legen. Ihr religiöses Oberhaupt ist traditionell der Aga Khan.
Heute leben Ismailit*innen in vielen Regionen der Welt. Ihre Gemeinschaft umfasst weltweit etwa 12 bis 15 Millionen Menschen (Stand: 2026). Größere ismailitische Gemeinden gibt es in ((Indien)), Pakistan, Afghanistan, Tadschikistan, Syrien, im Jemen und im Iran. Darüber hinaus existieren auch kleinere Gemeinden in anderen Ländern sowie in der Diaspora. In Syrien bildet die Stadt Salamiyya das wichtigste Zentren der ismailitischen Gemeinschaft.
Verfolgung der Ismailit*innen im Nahen Osten
In vielen Teilen des Nahen Ostens sind die Ismailit*innen eine religiöse Minderheit und sehen sich daher politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen gegenüber. Bei Teilen der sunnitischen Mehrheitsbevölkerung sowie bei islamistischen Gruppen gelten sie als vom „richtigen“ Islam abweichend, was immer wieder zu Spannungen, Diskriminierung oder Gewalt führen kann. Historisch wurden Ismailit*innen über Jahrhunderte hinweg wiederholt bedroht und verfolgt.
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Besonders im Kontext des syrischen Bürgerkriegs ab 2011 hat sich ihre Situation verschlechtert. Die Region um Salamiyya, in der eine große Zahl von Ismailit*innen lebt, geriet durch Kämpfe zwischen Regierungstruppen und verschiedenen Oppositionsgruppen zunehmend unter Druck. Religiöse Minderheiten wie die Ismailit*innen standen in Syrien häufig zwischen den Konfliktparteien und versuchten, eine Eskalation religiöser Spannungen zu vermeiden. Die zunehmende Radikalisierung einzelner Konfliktakteure und die Machtübernahme der islamistischen HTS-Miliz um Ahmed al-Scharaa im Dezember 2024 stellen jedoch eine Bedrohung für das friedliche Zusammenleben der Gemeinschaft dar.
Insgesamt gehören die Ismailit*innen zu den religiösen Gemeinschaften im Nahen Osten, deren Geschichte von wiederholten Phasen der Verfolgung, aber auch von kultureller Anpassungsfähigkeit und religiöser Toleranz geprägt ist. Ihre heutige Situation hängt stark von den politischen Entwicklungen in den jeweiligen Staaten ab, in denen sie leben, insbesondere in Konfliktregionen des Nahen Ostens.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) macht regelmäßig auf die Lage religiöser Minderheiten im Nahen Osten aufmerksam, zu denen auch die Ismailit*innen gehören. Die GfbV fordert mehr internationalen Schutz für Minderheiten in Konfliktregionen wie Syrien und setzt sich dafür ein, dass ihre religiösen Rechte, ihre Sicherheit und ihre kulturelle Existenz langfristig gewährleistet werden.
Stand: Mai 2026
Autor: Dr. Kamal Sido Redaktion: Sarah Neumeyer
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Fünf Jahre Taliban: Humanitäre Hilfe statt Abschiebungen
Zum fünften Jahrestag der erneuten Machtübernahme der radikalsunnitischen Islamisten der Taliban in Afghanistan am 15. August fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) einen Abschiebestopp für Afghanistan, insbesondere für Angehörige von Minderheiten und Frauen.
„Seit ihrer Machtübernahme begehen die Taliban schwere Menschenrechtsverbrechen. Die elementaren Grundrechte von Frauen werden immer weiter eingeschränkt. Auch Minderheiten wie die Hazara und Tadschiken werden verfolgt.“
Erdbeben in Kolumbien: Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften noch nicht absehbar
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ruft dazu auf, indigene Gemeinschaften bei der Beurteilung der Erdbebenfolgen in Kolumbien nicht zu vergessen. Die Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften sind laut der Menschenrechtsorganisation bislang nicht absehbar. Das Erdbeben am 10. August hatte sein Epizentrum bei der Gemeinde San José del Palmar im Departamento Chocó, einem Gebiet, in dem viele indigene Gemeinschaften leben.
Chiquitano-Trockenwald in Bolivien in Gefahr: Europa entscheidet mit über die Zukunft wichtiger Ökosysteme in Südamerika
Anlässlich des bolivianischen Tags des Chiquitano-Trockenwaldes warnt die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gemeinsam mit indigenen Organisationen, dass die Zukunft eines der bedeutendsten Ökosysteme Südamerikas auch von internationalen Lieferketten und der europäischen Handelspolitik abhängt. Was in Europa konsumiert und politisch entschieden wird, hat direkte Folgen für indigene Territorien, betonen die GfbV, das Comité de Gestión (Verwaltungsausschuss) des Naturschutzgebiets Tucabaca de Roboré, das Comité Cívico (Bürgerkomitee) der Bewegung zum Schutz des Tucabaca-Tals sowie die indigene Gemeinschaft Quituquiña aus San José de Chiquitos.
Internationaler Tag der Indigenen Völker (9.8.): Indigene Menschenrechtsverteidiger weltweit schützen
Zum Internationalen Tag der Indigenen Völker am 9. August ruft die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) dazu auf, indigene Umwelt- und Menschenrechtsverteidiger weltweit wirksam zu schützen. Viele von ihnen begeben sich in große persönliche Gefahr, wenn sie für die Rechte ihrer Gemeinschaften, den Erhalt ihrer Territorien und den Schutz von Umwelt und Klima kämpfen. In verschiedenen Weltregionen werden sie dafür bedroht und oft auch angegriffen.
Religiöse Unterdrückung in Syrien: Priester verhaftet, Erzbischof zurückgerudert
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) appelliert an die beiden großen christlichen Kirchen, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Römisch-Katholische Kirche, sowie an den Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Lars Castellucci, Glaubensfreiheit in Syrien als Menschenrecht ernst zu nehmen und sich dafür einzusetzen. Hintergrund ist der Verhaftung des kurdisch-christlichen Priesters Nihad Hasan (46) in Afrin am 20. Juli. Die Region wird seit 2018 von der Türkei besetzt. Inzwischen gibt es Berichte, dass Nihad Hassan nach fast drei Wochen Haft wieder freigelassen wurde.
Berichte über Zwangsrückführungen: Keine Sicherheit für Rohingya in Myanmar
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt eindringlich vor der drohenden Zwangsrückführung tausender Rohingya aus Malaysia nach Myanmar: „Für die Rohingya gibt es keinen sicheren Ort. Sie fliehen vor Verfolgung durch das Militär und die De-facto-Herrschaft der Arakan Army im Bundesstaat Rakhine in Myanmar. In Malaysia wüten Hetzkampagnen und Inhaftierungswellen gegen sie”, berichtet Mirjam Kobold, GfbV-Referentin für Asien. „Die Zurückdrängung in die weiterhin gefährliche Lage in Myanmar verletzt eindeutig das völkerrechtliche Refoulement-Verbot, das auch für Malaysia gilt.” Neben den mehr als eine Million Rohingya, die seit Jahrzehnten – in immer neuen Fluchtwellen – ohne Perspektive in den Lagern von Cox’s Bazar in Bangladesch festsitzen, registriert das UNHCR rund 126.000 geflüchtete Rohingya in Malaysia. Das Land hat die Genfer Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet.